Übersichtskarte

IPA -facing the pain of bad presentations and other psychoanalytic disasters

Freitag, 02.08.2013
Innerhalb mm eines Studiums der Psychologie an einer kleinen deutschen Universität habe Freud immer mal gehört, doch kennen tue ich ihn leider nicht. Immer wieder hoben vorbildliche Professoren die Bedeutung von Freud für die Psychologie hervor - als veralteter Literat und produktiver Ideengenie. Zumeist wird im gleichen Satz noch schnell hinzugefügt, dass Freud ja widerlegt wurde.
Dann trete ich ein in die heiligen Hallen des Hilton Prague und sehe mich gegenüber hunderten Psychoanalytikern aus der ganzen Welt beinahe auf der Stellen kehrt machend. Tschechisch, Spanisch, englisch, deutsch und französisch schwirren durch den Raum. Dann treffe ich auf drei Mädchen aus Deutschland - auch Teilnehmerinnen des Student-weekends. Leider bricht das unterkühlte Gespräch nach einem kurzen Hallo ab. Sind die Deutschen im Ausland eigentlich eremitische Kleingruppentiere? Ich Reise allein, weil ich unbedingt am Kongress teilnehmen wollte, um endlich zu sehen, was Psychoanalyse heute so treibt. Modern. Dann darf ich 2 Stunden zuhören, wie über Freud referiert wird. Das auch nicht der Hauptkritikpunkt. Freud ist tot - lang lebe Freud! Vielmehr ist das wie das Problem: 3 Referenten starten mit den Worten "I die not prepare anything!' dann folgen 20 minütige Berichte über das erste Mal mit Freud ;-) und ein Loblied auf Psychoanalyse, einmal Lunte gerochen kann man nicht mehr aufhören, so die Vortragenden. Dann folgt der Vortrag eines ehemaligen Philosophie-Professors, der natürlich keinen roten Faden nötig hat, aber Abwechslung liefert. Zur Krönung gibt es dann Vortrag, dessen nicht vorhandene Struktur von der Powerpoint Präsentation und dem vorlesen des Textes noch unterstrichen wird. Man ärgert sich. Man glaubt nicht mehr, man ärgert sich darüber, dass einem niemand anständige Idole liefert. Menschen zu denen man auf schauen kann, die es einem vormachen. Nein, dass findet man nicht auf der IPA.

Da Lat

Montag, 11.03.2013
Weitaus weniger Touristen, wie in HCMS trifft man in Da Lat, einer belebten Bergstadt im südlichen Zentralhochland Vietnams.
Da Lat ist der Gemüsekorb Vietnams, neben den zwei Reisschalen - das Mekong-Delta und die Halong-Bucht. Hier werden unter anderem Vietnams Weine, alle möglichen Blumen, Artischocken, Bananen und zahlreiche andere Gemüsesorten angebaut. Die Stadt ist umringt von Gewächshäusern und Plantagen. Eingebettet in eine idyllische Hügel- und Berglandschaft tauchen in der Umgebung zahlreiche Seen auf, teils natürlich, teils angelegt.

Neben der Bedeutung als Gemüsekammer des Landes ist Da Lat vor allem bekannt für den Kaffee-Anbau. Vietnam war im Jahr 2009 immerhin der zweit größte Kaffeeexportreur der Welt. Neben ganz Asien, soll der hier angebaute Arabica-Kaffee nach Brasilien verschifft werden. Unser privater Guide berichtete, dass die Brasilianischen Kaffee-Produzenten den hiesigen Kaffe erwerben, wenn dort schlechte/magere Ernten eingefahren werden und die Exportverträge nicht erfüllt werden können. Brasilien kauft dann zum dreifachen Preis, China zum zweifachen. Wir konnten leider nicht ergründen, ob wirklich nur Arabica angebaut wird, da auch Robusta und andere Sorten auf der von uns besichtigten Plantage erhältlich waren. Früher wurde in der Gegend Tee angebaut. Da jedoch die Teepreise so niedrig waren/sind, wurde auf Kaffee umgeschwenkt. Tee wird nun nur noch im nördlichen Hochland, in der Gegend um Sa Pa angebaut. Wir probierten zwei Mokka-Arten - köstlich. Auf dieser Plantage werden auch Wiesel gehalten, die die Bohnen essen. Diese werden dann aus dem Kot des Wiesels entfernt und weiter verarbeitet. Bei uns dann eine Delikatesse, dieser 'Scheiß'-Kaffee :-) Die Preise sind unterschiedlich. Hundert Gramm des Mokkas kosten 90.000 VND, für die selbe Menge Wieselkaffee zahlt man 350.000 VND. Das sind die Preise direkt auf der Plantage.

Im Umland von Da Lat gibt es neben ursprünglichem Dschungel und den zahlreichen Plantagen Wasserfälle und Seen. Einige von diesen konnten wir bereits auf der Busfahrt von Mui Ne nach Da Lat bewundern. Leider liegen diese Wasserfälle soweit außerhalb der Stadt, dass man sie nur mit gemieteten Roller, teils auch Fahrrad oder Auto erreichen kann. Wir nahmen uns aus diesem Grund einen Tag ein privates Taxi samt englisch-sprachigem Fahrer. Zuerst fuhren wir zu den Elephanten-Wasserfällen. Nachdem man zwischen Felsbrocken und Dschungelwuchs eine kurze Kletterpartie hinab bewältigt offenbart sich ein Blick von unten zum Wasserfall. Mann kann sogar eine Dusche unter ihm nehmen, wenn Mann sich traut. Es ist wunderbar verlassen, nur vier andere Touristen waren da als wir den Wasserfall besichtigten. Kraxelt man etwas weiter über massive Felsbrocken offenbart sich eine kleine Bucht in der das Wasser, noch beschleunigt durch den freien Fall, sich seinen Weg um Fels und Wald sucht. Man kann dem Wasser von einem dieser Felse Stunden bei seinem geschäftigen Treiben zuschauen.

Neben den Naturschönheiten bietet Da Lat noch andere Sehenswürdigkeiten. Zum Beispiel das Crazy House. Ihr wisst ja, dass ich mich von den geliebten Sonderlingen nicht fernhalten kann. :-)  Dennoch handelt es sich dabei um ein Bauwerk der exzentrischen Art. Auf die Frage, wie Ivonne es beschreiben würde, bekomme ich die Antwort: 'It was crazy.' Da habt ihrs. Am ehesten lässt es sich zusammenfassen, wie der Drehort eines Tim-Burton-Films, der von Gaudi und den Gebrüdern Grimm umgesetzt wurde. Gänge und Türmchen, Verzierungen und zahlreiche Baustellen, aber nichts wird abgesperrt. Man läuft quasi durch die Baustelle, nichts mit Sicherheitsabsperrung. :-) Immer wieder führen kleine Treppchen an ungeahnte Orte, die manchmal in Schwindel erregender Höhe liegen. Vorsicht Höhenangst! Nichtsdestotrotz ist es schrill, kitschig und recht beschaulich in seiner Größe. Es macht den Eindruck, dass das ohnehin kleine Areal größtenteils eine Baustelle ist. Weiterhin sollte man unbedingt die Truc Lam Pagode besuchen. Mit einer Seilbahn geht es 2.5 km über Wald und Felder. Während man über die Landschaft schwebt, kann man Wasserbüffeln beim Baden zusehen. Einmal angekommen nimmt man einen ausgedehnten Spaziergang durch die wundervolle Parkanlage des buddhistischen Klosters. Bestaunt werden kann neben den auffallenden Gärten verschiedene Gebäude und ein kleiner Nadelwald, sowie ein riesiger von bewaldeten Hügeln eingebetteter See. Es ist so ruhig, dass man auch hier schnell vergisst, wo und wann man ist ;-)

Weiterhin berichtet Ivonne von der Farbenfröhlichkeit einer weiteren Pagode, die nur Mut der traditionellen Eisenbahn erreichbar ist. Ich war leider krank und konnte sie nicht persönlich besuchen. Dennoch scheint selbst die Bahnfahrt im historischen Wagon durch die Landschaft ein Erlebnis gewesen zu sein.

Persönlich hat es mir in dieser Bergstadt vielmehr gefallen, als in den anderen Städten, die wir danach und davor besucht haben. Auch wenn es schönere und prachtvoller Bauwerke gibt, wie die Kaiserstadt in Hue, war Da Lat sympathischer, wärmer und authentischer. Man sollte vielleicht nicht so Werbung machen, damit dieser Charme erhalten bleibt...

Mui Ne - Perle des Südens?

Sonntag, 10.03.2013
Um nun etwas zu entspannen vom vietnamesischen Großstadtttrubel begaben wir uns an einen der schönsten Strände Südvietnams - Mui Ne. Leider hat auch hier die Gentrifizierung durch Resorts ihre Opfer gefunden. Die Hälfte des rund 18 km langen Strands ist bereits zu gepflastert mit diesen Unterkünften, die dann nicht mehr low budget sind. Der dortige Strand ist gesäumt von relativ teuren Strandbars der Hotels, zahlreichen Kitesurfschulen und den dort gastierenden Touristen. Auch im Meer hat man dann keine Ruhe. Dieses ist fest in der Hand der Kitesurfer, die im rasanten Tempo über das Wasser düsen.
Zum Glück gibt es noch die andere Hälfte. Da gibt es neben ein paar Restaurants den Ort der von den Einheimischen bewohnt wird, wo diese noch in der Überzahl sind. Auch wenn man den Strand hier erstmal ein wenig suchen muss, versteckt sich dieser hinter den Häusern an der Straße. Jetzt gab es ihn noch, den traumhaften, von Palmen gesäumten, feinsandigen Strand am azurblauen Wasser des südchinesischen Meeres. Keine Verkäufer, keine Liegen, nur Sand, Muscheln und ein paar Fischer und ihre Boote, die dem Land vorgelagert auf den Wellen getragen werden. Und diese Wellen sind mitunter nicht zu unterschätzen.
Mui Ne hat ein großes Problem: durch Küstenerosion geht dem Land der schmale Steifen Strand verloren, und damit auch Landmasse. So geht dem Ort das schnelle Kapital verloren, das durch den Tourismus herangetragen wird.
Noch kann man sie finden, die Fischer und die Bewohner der kleinen Ortschaft. Nicht alles ist aufgekauft. Wenn man sich überwindet und trotz Hitze auf ein Fahrrad steigt, dass man meist im Guesthouse mieten kann, lohnt sich ein Besuch im 4 km entfernten Fischerdorf. Mehr als die Fischerei gibt es da nicht. Jedoch kann man bei einem Kaltgetränk wunderbar den Fischern bei ihrer Arbeit zusehen und dabei jedes Zeitgefühl verlieren. Es werden Netze geflickt, Fische ausgenommen und zum Trocknen auf dem Boden ausgelegt. Der ein oder andere macht Siesta auf/in seinem Boot. So kommt man selbst auch in diesen zeitlosen, selbst vergessenen Rhythmus und spürt wie der müden Geist entspannt.

Welcome to Ho Chi Minh City formerly known as Saigon

Dienstag, 26.02.2013
Nach einer luxuriösen Anreise auf dem vornehmen Thai Airways Flug erkundete ich Ho Chi Minh Stadt - nun in Begleitung von Ivonne aus Deutschland. Durchaus amüsierend war, dass, kaum hatte ich incredible India verlassen, mein Flug Verspätung hatte und ich, nach einem Sprint - man glaubt es kaum - durch den riesigen Flughafen von Bangkok, gerade noch die wartende Maschine meines Anschlussflugs nach HCMS erreichte. Nur eben das Gepäck nicht. Nach einer Nacht in Bangkok wurde dieses am nächsten Nachmittag jedoch problemlos ins Hotel geliefert. Ob der Rucksack eine echte Thai-Massage probiert hat, wollte er indes nicht verraten. Mich würde interessieren, wie das in Indien abgelaufen wäre...

Es ist auffällig, dass zahlreiche Motorroller den Stadtverkehr in Ho Chi Minh Stadt prägen. Sprechen wir konkret von ungefähr 5 Mio. in Ho Chi Minh Stadt, von 25 Mio. in ganz Vietnam. Hervorstechend ist die große Zahl Männer und FRAUEN, die tagsüber und nachts die Straßen und Parks befüllen. Es wird getanzt, Aerobic gemacht and überhaupt ist es allzeit entspannt und geschäftig zugleich. Auch der staatliche Konformismus wird bald spürbar. Fährt man durch die breiten Alleen an riesigen Staatsgebäuden vorbei, scheint der Staat übermächtig präsent. Sozialistische Prachtalleen/-straßen würde unser eins meinen. Jedoch ist das im Vergleich zum zentralen Bergland, zu dem ich in einem anderen Beitrag kommen werde, noch mäßig. Im ganzen fällt es schwer, das wahre Saigon in dieser so westlich aufgeräumten Stadt voll gepackt mit Menschen, Ausländern, wie Vietnamesen zu finden. Da hilft auch kein Reiseführer. Es ist wie als verstecke man das wahre Vietnam hinter einer aufpolierten Fassade für Touristen. Das macht die Erfahrung fad und man möchte Saigon alls bald den Rücken kehren. Zu diesem ausgewachsenen Überdruss trug dann auch ein Ausflug zu den Cu-Chi-Tunneln bei.
Dazu muss man sagen, dass diese Tunnel im Vietnamkrieg gegen die USA, also nicht im Indochinakrieg, eine Rolle spielten. Die sog. Viėt Cong kämpften quasi unterirdisch in einem 3-Level-Tunnel-System und mit sehr 'speziellen' Waffen und Fallen. Abgesehen davon, dass Kriegsschauplätze meiner pazifistischen Grundhaltung widersprechen und ich kein begeisterter Waffenenthusiast bin, war es ein gestelltes Spektakel, dass neben einer eindimensionalen Darstellung dieses grausamen Kriegsschauplatzes auch noch pietätlos präsentiert wurde. Authentizität = Mangelware :-\ Vielleicht sollte es auch Ironie sein, als uns die verschiedenen Trittfallen gezeigt wurden und unser Guide, wie ein Kind beim Demonstrieren seiner Spielautos, enthusiastisch betonte welche besonderes schmerzhaft und brutal waren. Das Mittelalter mit seinen Folterkammern drängte sich zum Vergleich auf. Die Präsentation war immer mit einem begeisterten Lachen und solch einer Freude vorgetragen, wie ein Animateur in einem 4 Sterne Resort kurz vor der Karaoke. Dass in diesen Fallen ein Tod teilweise tagelang dauern konnte, und unvorstellbar schmerzhaft gewesen sein muss, wurde nicht erwähnt.  Nein, nein, diese Waffen waren nicht zum Töten konzipiert, meinte unser Guide. Nein, sie sollten so verwundet werden, dass der Verwundete von seinen Mitsoldaten ins Lazarett gebracht werden musste. Von so vielen, wie möglich, um genug Soldaten aus dem Gefecht zu nehmen. Clever, ohne Frage. Bucht man, wie wir, solche Touren über Travelagencies bekommt man nur zu sehen, was gezeigt werden soll. Der Kontakt zum echten Vietnam bleibt jedoch verwahrt. Sollte man dieses auf einer Reise finden können...

Zurück in Saigon kann man sich auf der Suche nach der authentischen HCMS machen. Ein guter Startpunkt ist dabei Cholon, das China Town von HCMS. :-) Niemand arbeitet sich zu Tode und doch herrscht schwirrendes Gewirr, bei schwül heißen 30 bis 35°C. Cholon ist quirlig, es scheint ein einziger Marktplatz in einem Netz von Straßen zu sein. In Vietnam soll die chinesische Minderheit um die 1.2 Mio. betragen. Allerdings finden sich die meisten dieser Menschen im Norden des Landes. Man fühlt sich, wie in einer anderen Stadt. Der Nachteil oder auch Vorteil solcher Abstecher ist, dass keine Menschenseele englisch spricht. Wer wagt der nicht gewinnt.

Natürlich ist HCMS sehenswert mit alten Kolonialbauten und vielen Staatsbauten, die die sozialistischen Ambitionen von Größe wieder spiegeln. Wunderbar ist es abends durch die flirrenden Straßen und Parks zu spazieren und dem abendlichen Treiben des echten Vietnam über die Schulter zu schauen.

Leider haben wir keine Mekong-Delta-Kreuzfahrt gemacht. Dies kann man jedoch nur empfehlen, natürlich am besten selbst organisiert und nicht gebucht über ein Reisebüro.

Last Minute Reisen Indian Style

Freitag, 22.02.2013
In Indien gibt es bekanntlich die Möglichkeit billig mit Zügen lange Distanzen zurückzulegen. Um nun eine solch abenteuerliche Reise anzutreten benötigt man ein Ticket. Man kann dieses kaufen, das unterscheidet sich wenig zu deutschen Bahnreisen. Der Teufel liegt wie immer im Pfeffer bzw. im Detail ;-) Es müssen Tickets verfügbar sein. Man muss es also rechtzeitig kaufen. Allerdings kann man die Fahrkarten frühestens drei Monate im Voraus kaufen. Und das dann entweder am Schalter oder im Internet. Ich umreiße kurz beide Methoden.
A) Internet.
Klingt einfach und ist es auch, wenn man eine indische Handynummer hat. Diese bekommt man, wenn man für längere Zeit an einem Ort ist, für recht wenig Geld (350 bis 500 INR). Man muss nur 2 Kopien von Pass und Visa, 2-5 Passfotos und ein Schreiben vom Hotel einreichen. Und da sagt man Deutschland ist die Hochburg der Bürokratie. Allerdings überprüft die Telefongesellschaft unregelmäßig die angegebene Anschrift, in dem sie im Hotel anruft. Sollte dann keine Bestätigung über den Aufenthalt folgen, wird die SIM-Karte gesperrt. Manchmal funktionieren die SIM-Karten auch nicht über Bundesstaatsgrenzen hinweg. Alles recht unpraktisch, wenn man auf Reisen ist. Der Sinn dieser komplizierten Prozedur soll die Prävention von Terrorismus sein. Wer weiß, ob die Terroristen nicht einfach Mobiltelefone stehlen oder Freunde beauftragen. Es macht es auf jeden Fall nicht einfacher. Wenn man so eine funktionierende Nummer dann ergattert hat, ist die Anmeldung auf der Website der Indian Railway von Nöten. Bzw. den Websits, denn es gibt zwei Websites, auf denen man sich anmelden muss, um ein Ticket zu buchen. Da bekommt man dann für jede Website zwei verschiedene Passwörter, und zwei Passwörter für jede einzelne Buchung verschieden. Wenn man dann ein E-Ticket irgendwann einmal kauft, kann man dieses auch nur im Internet zurück buchen und sein Geld wieder bekommen. Manche haben von Probleme berichtet, wenn man eine indische Telefonnummer angibt und ein nicht-indisches Konto, aber das kam nur wert i vereinzelt vor. Das war das Einfache.
B) Schalter.
Man muss zuerst die Zugnummer wissen, von dem Zug, mit dem man fahren will. Dazu kann man ein 180 Seiten starkes 'Heft' namens 'Trains at a Glance' zu Rate ziehen. Wie ironisch. Für den erfolgreichen Gebrauch dieses Schinken benötigt man eine fachmännische Einführung und eigenständige Übung. Leichter ist es, wenn man im Internet auf der Indianrailinfo-Website nach dem Zug sucht. Aber Vorsicht! Nicht alle Zuge fahren täglich und manche von einer weiter entfernten Station. Hat man nun die nötige Information benötigt man ein Formular und:-) :-) mtrdao einen Stift, um es dann vor Ort mit den Reisedaten und persönlichen Angaben zu füllen. Es ist etwas unübersichtlich, dieses kleinen Blatt Papier und man sollte auch keine Angabe vergessen, sonst bearbeitet der Mann/die Frau am Schalter die Anfrage nicht. Hat man erfolgreich eine Fahrkarte erstanden und möchte sie dennoch zurückgeben oder das Datum ändern, muss man wieder zu einer Trainstation, die einen Reservierungsschalter hat und wieder so ein kleines Formular für die Stornierung und die Neubuchung ausfüllen.
Kommen wir zum Schluss zu den Kurzentschlossen unter den Reisenden oder denen die mit Option A) und B) keine Fahrkarten bekommen konnten. Es gibt die Möglichkeit über ein besonderes Fahrkarten-Kontingent, genannt 'Tatkal', Tickets am Tag vor dem eigentlichen Abreisedatum zu buchen. Es ist nicht zu hundert Prozent sicher, eigentlich wie die beiden anderen Optionen. Ich habe es ausprobiert. Hier meine Erfahrung mit
C) Tatkal.
Ich bin früh um 8 Uhr zum Bahnhof. Habe ein Formular ausgefüllt mit den notwendigen Daten. Dann wusste ich nicht weiter. Ein paar Inder wiesen mich dann daraufhin, dass ich dieses Stück Papier mit einer Nummer versehen muss und es zu anderen Formularen in ein metallenes Schließstor klemmen muss. Nun ist das so eine Sache. Es handelte sich um ein Stahlschiebetor, dass zum Verschließen des Schalterraums diente. Ich tat wie mir geheißen und wunderte mich, blieb dennoch skeptisch. Dann erschien endlich der Arbeiter im Schalter. Dieser erkannte mich wieder von den letzten beiden Malen, an denen ich Tickets storniert hatte. Er winkte mich zu sich und wies mich an in den Schalter einzutreten. Dort sagte er mir, dass ich eine Kopie meines Reisepass benötigte, die ich natürlich nicht mit hatte. Er beruhigte mich und meinte darum kümmern wir uns später. Ich tat, wie mir geheißen. Er wies mich an drinnen zu warten und ihm nochmal das selbe Formular auszufüllen. Immer wieder versichern, 'I do my best. I do special for you, my friend.' . Ich war ihm unheimlich dankbar dafür. Nach zehn Minuten, sagte er mir ich solle draußen warten. Dann wartete ich bis 9:40 Uhr. Es kam etwas in Bewegung in die Menschen und Zettel im Eisengitter. Dann war endlich meine mit rotem Filzstift aufgetragene Nummer an die Reihe, bzw. ich wurde bevorzugt. Armes blondes Mädchen eben ;-) Der Arbeiter im Schalter gab meine Reisedaten ein und prompt erschien auf einem Bildschirm noch sechs verfügbare Tickets. Dann schickte er mich zurück. Und ich wartete wieder in paar Minuten. In der Zwischenzeit bekamen ein paar andere Leute ihre Tickets. Dann rief er mir zu 'Passport Copy!?!'. Ich verneinte, woraufhin er eine Person in der Schlange aufforderte mich zum nächsten Copy-Shop zu bringen. Dieser verfrachtete mich rücklinks auf sein Motorrad und nach Kopieren wieder zurück. Nach dem Bezahlen und drei Stunden nach meiner Ankunft hielt ich also mein Ticket in der Hand!
Abenteuerlich - incredible India!

Varanasi- system error

Mittwoch, 06.02.2013
Im Lonely Planet Reiseführer steht, dass ein Aufenthalt in Varanasi durchaus das Highlight des eigenen Indien Aufenthalts werden kann. Mm. Naja. An dieser Stelle warne ich euch liebe Leser. Hier findet ihr meine Impression von Varanasi. Es war eine der wenigen dunklen Stunden meiner Indienreise und ich denke nicht, dass ich jemals wieder in diese Stadt zurückkehre. Lasst euch also nicht von kleinen Schilderungen beeinflussen. Denn vielleicht wird euer Aufenthalt das Highlight eurer Indienreise.
Das erste, was mir nach gut 17 h Zugfahrt begegnet, ist ein chaotischer Bahnhof. Hunderte Menschen liegen auf dem Boden in Scharen zusammengehortet. Es erweckt den Eindruck eines Flüchtlingslagers. Da ich nicht mit zahlreichen Rickshaw Fahrern diskutieren wollte, hatte ich mein Hotel wissen lassen, dass ich gern vom Bahnhof abholt werden möchte. Da erwartet mich dann eine ausgemerkelte, ungepflegte Gestalt, die mich aus stummen Augen anschaut und mich wortlos mittels schroffer Gesten aus dem Bahnhof geleitet. Herzlich Wilkommen in Varanasi. Nachdem mich der stumme Unbekannte in eine Rickshaw setzt, düsen wir durch den höllischen Verkehr der heiligen Stadt. Zentimeterarbeit leistet der Fahrer dabei, hindern Autos, Roller, Fahrradfahrer und Fussgänger das Fahrzeug vehement daran, in die richtige Richtung zu fahren. Wir halten an einer dunklen Gasse in der Altstadt. Von der Hauptstraße dringen schmale Gassen wie kleine Kapillargefäße in die hoch ragenden Häuserkomplexe vor. Die Hausfassaden hüllen diese tiefen Schluchten in dunkle Schatten, die nur selten tagsüber von Licht durchbrochen werden. Ich soll also einem Mann in dunkle Gassen folgen, der nicht mit mir spricht. Ich verharre ungläubig neben der Rickshaw. Es folgt ein mürrischer Blick und ein barsches Winken meines Begleiters, woraufhin ich nachgebe. Ich folge ihm ohne wenn und aber. Wohl ist mir dabei nicht ganz. Dennoch lohnte es sich, denn nach kurzem Fußmarsch, erscheint aus dem nichts eine Treppe und im dunkel der Nacht sieht man den Ganges glitzern. Vor der Tür meiner Unterkunft. Angekommen. Nackenhaare entspannen, durchatmen. Oder? Kaum auf dem Rooftop-Restaurant des Hotels angekommen, gesellt sich ein Angestellter des Hotels zu mir, um mir als Service des Hauses eine kleine Sightseeing Tour am nächsten Tag anzubieten. Hotelservice? Sightseeing? Ich bin immer noch in Indiens Hochburg der Schlepper, richtig? -das also nicht vergessend, lehne ich höflich ab. Offensichtlich nicht begeistert wandelt sich die Stimmung des netten jungen Mannes schlagartig und der Service verpufft in Schall und Rauch der Abendluft.
Neben diesen offensichtlichen Unannehmlichkeiten darf man den unvorstellbaren Lärm auf den Straßen und in den Gassen erwähnen. Die Ohren dröhnen, ich will nur rufen 'Ruhe jetzt!'. Der Gestank - man atmet automatisch durch die Nase - und der unsagbar chaotische Verkehr tun dann ihr übriges, sodass man nicht anders kann, als sich wegzuwünschen.
Daher begab ich mich bereits am zweiten vollen Tag meines Aufenthaltes nach Sarnath. Neben Kushinagar, Lumbini in Nepal, und Bodhgaya ist Sarnath eine der vier heiligen Städten des Buddhismus. Hier soll Buddha seine ersten Lehrreden gehalten haben. Es ist nur 13 km von Varanasi entfernt, quasi eine kurze Rickshawfahrt. Quasi. Um an den idyllischen Ort zu kommen muss man folglich erst einmal den so gar nicht idyllischen Preiskampf mit den Rickshaw-Fahrern führen. Alle wollen einen für 400 bis 600 Rupien für die Hin- und Rückfahrt. Da ich aber nicht möchte, dass einer auf mich wartet, da ich den ganzen Tag da verbringen will, sage ich nur oneway. das will keiner machen, oder nur für 300 Rupien. Aus zuverlässigen Quellen wusste ich, dass man nicht mehr als 150 Rupien zahlen sollte. Naja, ich finde dann jemand der mich für 300 Rupien widerwillig fährt. Zurück hat es dann 150 Rupien gekostet. Öffentliche Verkehrsmittel gibt es bestimmt. Wo, bloß, wo sind sie geblieben? Im Nachhinein habe ich erfahren, dass man aus der Altstadt herauslaufen sollte. Denn da sind die Preise dann humaner, weil der Verkehr weniger verstopft. Ich kann die zetternden Fahrer verstehen. Ich würde um nichts in der Welt mit Ihnen tauschen wollen und mich durch den irrsinnigen Verkehr der Altstadt hinter dem Steuer einer Rickshaw quälen. Die Auskunft vom Hotel lautete, dass man nur mit einem privaten Taxi samt Guide für einen ganzen Tag nach Sarnath fahren kann. Service. Ganz bestimmt gibt es da einen Bus hin, denn auf der Rückfahrt habe ich diesen gesehen. Sarnath an sich kann ich nur empfehlen. Eine Oase der Stille. Man findet einen großen Park um eine Stupa vor, ringsum zahlreiche Klöster, buddhistische Mönche laufen einem hier und da über den Weg. Man trifft kleine Gruppen pilgernder Touristen mit denen man leicht ins Gespräch kommt. Mit einer Gruppe Briten hatte ich sogar ein kleines Gemüse-Picknick.
In Varanasi selbst ist das Geschehen am und auf dem Ganges eine sehenswerte Attraktion. Um dieses näher zu erkunden, habe ich eine Before-Sunrise-Bootsfahrt gemacht. Ein junger Bursche, vielleicht 15 Jahre alt, erwartet mich am Ufer um 5:45 Uhr morgens. Bei dem sehr hageren Eindruck, den sein Anblick erweckt, mochteich ihm am liebsten das Rudern abnehmen und ein Tali - indische Speise aus Naan, Chapatti und verschiedenen Gemüsegerichten - kaufen. Eingehüllt in eine Fleecejacke steige ich in den kleinen Ruderkahn. Das Ufer entlang fahrend sieht man wie die Stadt zum Leben erweckt. Gestalten in Handtüchern beginnen im Morgengrauen ihre Waschungen. Denn selbst unter der 'Dusche' sind die Manner hier nicht unbekleidet. Frauen steigen samt farbenfrohen Sari in die Brühe. Das zuvor noch Angst einflößende Varanasi wirkt auf einaml friedlich und mystisch. Mit dem Sonnenaufgang kommt noch mehr Geschäftigkeit hinzu. Bettlacken und andere Wäsche werden im Wasser auf Steinen von den Handtuchgestalten bearbeitet und am Hang zum trocknen ausgelegt. Das erklärt unter anderem die Seltenheit weißer fleckenfreier Bettlaken in dieser Stadt.
Weiter geht es zu dem größten Verbrennungsghat. Ich sitze mit zwei deutschen im Boot, Mutter und Tochter. Fotografieren ist strengstens verboten. Grotesk nah an all dem Leben herum scheint es keinerlei Privatheit zu geben. Doch durch strenge Regeln wird Pietät bewahrt. Doch viele Touristen können es dennoch nicht lassen und machen Fotos. Und dann hört man von diesen, wie pietätslos das Ganze ist. Sollte jemals jemand sich nach Varanasi wagen, bitte keine Fotos der Verbrennung. Man macht ja auch keine Bilder der verstorbenen Oma oder Opa im Sarg. Das wäre ja pietätslos.

Vom Ufer betrachtet wirkt das Geschehen, wie ein Film. Man fühlt sich nicht real anwesend und ich mich speziell fehl am Platz. In unserer Gesellschaft ist der Tod und die Zeit so weit entrückt, dass man kaum Beziehung dazu hat. Umso ungewöhnlich fühlt sich die dargebotene Szenerie an. Ein Körper, eingewickelt in goldene Folie, drapiert mit Blumen, wird auf einer aus Bambusstangen gefertigten Trage zum Ufer getragen. Dann wird er in die von Asche und anderen Abfällen viskös gemachte Ganges-Brühe getaucht, wieder hinauf zum Tempel getragen. Nach einiger Zeit erscheint er wieder, und wird zu einem vorbereiteten Holzhaufen gebracht. Es wird verschiedenes Holz verwendet, in Abhängigkeit von der Größe des Geldbeutels der Angehörigen. Der Haufen wird dann von den Arbeitern entflammt. Die Menschen, die am Ghat arbeiten, gehören einer bestimmten Kaste an. Kein anderer arbeitet da und angeblich wird 24 h am Tag verbrannt. Die Angehörigen wohnen diesem Ritual bei, bis der Körper in Asche verschwunden ist und mit Ganges Wasser gelöscht wird. Außer die Frauen, denn diesen ist es nicht vergönnt. Sie dürfen im Tempel warten und weinen da laut und leise vor sich hin. Übrig bleibt zumeist nur der Schädelknochen und das Sternum, da die Hitze nicht ausreicht. Diese Reste werden folgend in den Ganges geworfen. Kinder werden anders bestattet. Sie werden mit Steinen beschwert in der Mitte des Ganges versenkt.
Wendet man seinen Blick ab von diesem Treiben und begibt sich drei Meter am Ufer entlang hocken Frauen und Männer in Ecken oder in der Mitte des Weges und erledigen große und kleine Geschäfte. Das Resultat fließt dann in den Ganges. Weitere drei Meter weiter scharen sich hunderte wenn nicht tausende Menschen am Ufer, um im heiligen Ganges zu baden. Viele strömen aus dem ganzen Land herbei um früh im Ganges zu baden und später in einer 2km langen Schlange in den goldenen Tempel zur Segnung zu strömen. Diese Selbstverständlichkeit von dieser Anreihung, wie alles in nächster Nähe zu einander parallel geschieht, ist so authentisch und gewaltig. Ich frage mich, ob das nicht viel ehrlicher ist und Angst nimmt, vor dem, was uns alle, jeden Einzelnen erwartet.

Am Ende möchte ich noch eine zarte Warnung geben. Wer zur Post geht -  für Pakete oder Postkarten -  und da Tips für die Beischtung der Seidenmanufakturen im islamischen Viertel bekommt. Vorsicht! Ich bin rein gefallen und habe zwar diese dunklen Stuben und Werkstätten besichtigt, allerdings landete ich am Ende allein in einem Raum mit drei zwielichtigen Männern und fühlte mich sehr bedrängt etwas zu kaufen. Nicht gewalttätig jedoch aber psychologisch bedrängt. Spart euch den Besuch.
Weiterhin gilt Vorsicht vor jungen Männern an den Ghats. Ich habe einen jungen Inder kennengelernt, der deutsch und englisch sprach und er hat mich einen halben Tag bei meinem Spaziergang am Ufer begleitet. Zu mir war er freundlich und ich habe ein paar andere Waisenkinder, wie ihn, kennengelernt und abends mit Ihnen dem Ritual der Gesänge und Gebete am Ganges beigewohnt. Mich hat er nicht bestohlen oder irgendwo hingeführt, wo ich etwas kaufen sollte. Vielleicht aber auch, weil ich Schokolade mit den anderen Straßenkindern geteilt habe und etwas Hindi gesprochen habe, und weil ich ihm erzählt habe, dass ich in einer Lepra-Kolonie gearbeitet habe. Gutes Karma :-). Dennoch kann das bestimmt anders ausgehen, wie mir von anderen Reisenden berichtet wurde. Diese Stadt hat auf mich den Eindruck gemacht, dass man niemanden, auch noch so vertrauenserweckend oder zuvorkommend er scheint, trauen kann. Aus diesem Grund bin ich geflohen und werde wahrscheinlich nicht zurückkehren.

Zusammenfassend ist Varanasi eine Stadt,  die die Augen des Besuchers öffnet und diesen im gleichen Atemzug übermannt, wie wenn einem vom Sog des Meeres die Beine weggezogen werden und man fürchtet unterzugehen. Gewaltig.

Rishikesh I - Heb das Bein und stell dich ein...

Samstag, 02.02.2013
Rishikesh hat sich seitdem die Beattles hier in einem Ashram ein Album produziert haben zur selbst ernannten Yoga-Hauptstadt hoch stilisiert. Zahlreiche Ashrams, Yoga-Studios aber auch Hinduistische Tempel in jeglicher Größe prägen einen Teil der Stadt mit 50.000 Einwohnern.
Da ich nach 2 Tagen ohne Yoga bereits Entzugserscheinungen hatte, begann ich eine Art Yoga-Kurs-Test. Ich besuchte täglich ein bis zwei verschiedene Yoga-Stunden, verschiedenen Stile und Lehrer. Da ich in Goa Iyengar-Yoga praktizierte, wollte ich natürlich einen Trainer diese Schule ausprobieren.
Iyengar Yoga mit Uscha war ein wenig ie ein Schnupperkurs in Grundwehrdienst. Anweisungen wurden mehr durch den Raum gepirscht als die eigentlichen Gliedmaßen es tun sollten. Dann waren die gelegentlichen Schläge auf den einen oder anderen Po und Schenkel. Hinzu kommen Pein paar 'public humilations' von denen, die leider zur falschen Zeit im Blickfeld dieser kleinen ältere Dame waren. Macht sie doch in Stille den Eindruck einer lieben Oma, wandelt sich dieser Eindruck alsbald sie in Aktion gerät. Ich nahm es erstaunlich leicht und habe mich zugleich köstlich amüsiert, als eine der Westler, die 500 Rupien für 90 Minuten diese Art von drillartiger Bespaßung ausgaben. Man muss sich nicht wundern, was mit unserer Gesellschaft nicht stimmt. Ich wundere mich nicht. Die Frage ist nur, was genau verursacht diesen Wunsch nach der Weisung auf den richtigen Weg? Wollen wir einfach jemand der uns sagt, wo es lang geht? Wie verirrt sind wir?
Als nächstes testete ich einen Kurs Hatha Yoga. Für mich war es eine angenehme Mischung aus Flow und Steadyness. Wir waren nur fünf Teilnehmende, sodass wir den Instructor ganz für uns hatten. Das hat Vorteile. Und Nachteile. Man wurde von ihm in den Asanas korrigiert, wa sehr hilfreich war. An mancher Stelle schien es jedoch ein wenig zu viel 'Touchie, Touchie'. Aus meinem Yoga-Kurs in Goa habe ich die Erfahrung mitgenommen, dass man nicht unbedingt berührt und wenn nicht auf die Art und Weise, wie er es tat. Es war einem Streicheln ähnlich. Nun ja, angenehm oder unangenehm ist an dieser Stelle Geschmackssache, da es nicht unangebracht oder anzüglich in der Definition des Wortes war. Unter den anderen Kursen, die ich ausprobierte, war auch ein Ashtanga Yoga Kurs. Dieser war teil eines Teacher Trainings für angehende Yoga-Lehrer, die einen Monat mit mehrere Stunden Yoga Asanas, Pranayama, Theorie und Anatomie des Yoga uvm. gelehrt bekommen. Neben der Unstrukturiertheit der Stunde an sich waren mangelnde Erläuterung und fehlende Demonstration der Asanas schwerwiegende Nachteile dieses Kurses. Man muss hinzufugen, dass ich 300 Rupien für eineinhalb Stunden bezahlt habe, aber die angehenden Lehrer für ihren Monatskurs teilweise 1500 Pfund mit diesem Trainer ausgaben. Vielleicht hatte er einen schlechten Tag. Oder nicht. Wer weiß.

Tibet im Exil - McLeod Ganj

Mittwoch, 30.01.2013

Liebe Lesende,
auf die Gefahr hin jetzt China zu verärgern, widme ich diesen Eintrag den Tibetern im Exil, ist es doch stummes Entsetzen, was mich packt, wenn ich an das Schicksal dieses Volkes denke.
Beginnen wir beim Anfang der Begegnung. Am ersten Abend im nun recht winterlichen McLeod Ganj begab ich mich auf die Suche nach einer Daunenjacke, da a) diese praktisch, warm und hier sehr billig sind und b) in meinem Zimmer keine Heizung war. Wie überall in diesem quirligen Örtchen. Ich hielt bei einem Straßenstand inne und betrachtete ein Exemplar und die liebe Dame, die da arbeitete, kam so gleich hinzu. Es war schon Dämmerung und ich kam nicht zu einer Entscheidung hinsichtlich deer Far be der Jacke. Sie musste zusammen packen, gab sie mir mit sehr bruchstückhaften Englisch zu verstehen. So gleich meinte sie: "my home, you, tea, cooked vegetables.". Ich dachte, was soll's, ich kenne hier niemanden und irgendwie war ich neugierig und amüsiert. So begaben wir uns auf einen Spaziergang durch die Dämmerung, entlang verwinkelter Gassen und stock dunkle Treppen hinunter. Bis wir im Keller eines Gebäudes im Dunkeln standen, sich eine Tür öffnete und ein Spalt Licht den Raum erhellte. Es öffnete sich der Blick in ein ungefähr 14qm großes Zimmer mit zwei Betten, bedeckt mit Teppichen und zahlreichen Decken, ein Tisch, gestapelte Kleidungsstücke, Fernseher, ein kleiner Tisch zwischen den Matratzen. An den Wänden befanden sich kleine Bilder und große Fotos und Bildnisse von His Holiness oder Buddha. Und nicht zu vergessen befanden sich zwei junge Tibeter auf einem der Betten - ihre Söhne. Nachdem eine kurze Vorstellungsrunde stattgefunden hatte, kam ich auf dem einen Bett zum Sitzen und meine drei Gastgeber auf der anderen Seite. Es wurde tibetischer Milchtee serviert und später Abendbrot, dass vom ältesten Sohn zubereitet wurde. Tibetische Nudeln mit Gemüse, äußerst schmackhaft. Neben diesen Verköstigungen kamen wir ins Gespräch. Dabei fungierte Tenpa, der jüngste Sohn im Alter von 17 Jahren, als "Übersetzer" für Englisch nach Tibetisch. Das muss sehr schwer gewesen sein. Lhomma, die Mutter, ist vor 6 Jahren aus Tibet geflohen. Ich konnte nicht in Erfahrung bringen, ob beide Söhne mit kamen und wie sie geflohen ist. Ich weiß, dass sie zuerst nach Nepal kam, wo sie auch heute noch Teile des Jahres verbringt. Sie ist irgendwas in die 40, sieht aber viel jünger aus. In einer Ausstellung habe ich gelesen, dass Tibeter über den Himalaya nach Sikkim in Indien oder nach Nepal geflohen sind. Auf diesem strapaziösen Fußmarsch haben sie teilweise immense Erfrierungen erlitten. Die drei Kinder von Lhomma sind 17, 21 und 23 Jahre alt, zwei Söhne und eine Tochter, die in Bangalore aufs College geht. Die zwei Söhne gehen auf die Schulen des Tibetan Children's Village. Über 2000 tibetische Kinder, alles Flüchtlinge, werden in diesem Internat unterrichtet. Letztes Jahr hat die indische Regierung die Hoheit über das Schulrecht an diesen Schulen an die tibetische Exilregierung zurückgegeben. Die Kinder werden in tibetisch Unterricht und lernen zusätzlich Englisch und Hindi. Die Ferien sind von Januar bis ungefähr März. In dieser Zeit ist Lhomma in McLeod Ganj. Wenn die beiden Jungs wieder in die Schule gehen, kehrt sie nach Nepal zurück und kauft/verkauft Waren. Sie ging zwei Jahre zur Schule, um dann ihrem Vater, einem Farmer mit Gemüse und Yaks zu helfen. Basierend auf der eigenen kurzen Schullaufbahn legt sie viel Wert darauf, dass ihre Kinder zur Schule gehen und sich ins Zeug legen. Tunpa zum Beispiel vertieft seine Mathematik-Kenntnisse in den Ferien, in dem er fast jeden Tag Stoff der höheren Mathematik bearbeitet. Er ist mittlerweile bei komplexen Zahlen, und kommt in die 11 Klasse. Er möchte später Mathematik studieren, jedoch benötigt er ein Stipendium, was ihn wiederum anspornt mehr zu arbeiten. Sein großer Bruder will als Englisch-Tibetisch Übersetzer arbeiten. Dafür besucht er täglich tibetisch Kurse im Tempel des Dalai Lama. Am ersten Abend haben wir die Zeit total vergessen, sodass es bereits gedämmert hatte, als ich aufbrach. Nach einem heiteren und zugleich ernsten Austausch schlug Lhomma vor, dass ich wieder kommen solle und tibetisch lernen soll. Zugleich aber auch ihrem Sohn, Tunpa, deutsch beibringen sollte. Da ich im Dunkeln nicht allein zum Guest house laufen wollte, brachte mich Lhomma am ersten Abend. Auf dem Weg sagte sie dann, 'Now you're like a daughter to me.'
Die folgenden zwei Tage bin ich noch zweimal zu Lhomma und Tunpa gegangen für tibetisch-deutsch Stunden. Liebenswürdigkeit und Gastfreundschaft scheinen nicht auszureichen, um die Atmosphäre zu beschreiben.

Tashi Delek - Namaste - Hello

Montag, 28.01.2013
Die bereits aufgegriffene Liebenswürdigkeit und Gastfreundschaft ist die Zutat in McLeod Ganj, die es zu einer ganz anderen Indien-Erfahrung macht. Geprägt ist die Atmosphäre einerseits von den Händlern aus Kashmir und Punjab und andererseits von tibetischen Flüchtlingen, Mönchen und Nonnen. Die Händler stammen aus Gebieten, die von der Mogulherrschaft geprägt worden, also religiös dem Islam angehörig. Das schlägt sich dann auch in der einen oder anderen Interaktion nieder. Die Tibeter sind wahrscheinlich größtenteils Gläubige des tibetischen Buddhismus. Weitaus mehr zurückhaltend in jeglicher Hinsicht. Aus meiner Position als Fremde/Touristin hat es sich respektvoller angefühlt. Das kann sicherlich auch ein Trugbild sein, da ich nur eine sehr kurze Zeit dort verweilte. Und es gibt Ausnahmen. Als ich etwas in einem Laden gekauft habe, kam der Besitzer zu mir und seiner tibetischen Angestellten und war äusserst freundlich. Er meinte, ich wäre eine angenehme Kundin. Auf die Frage, 'Warum?' - ich habe etwas gekauft, natürlich bin ich dann angenehm, war meine Überlegung ;-) - antwortete er, weil ich leise spreche, selbst beim Handeln meine Stimme nicht hebe und lächle. Könnt ihr glauben, dass ich ein Kompliment für mein ruhiges und leises Gemüt bekommen habe? Ich musste unvermittelt lächeln. Selbst jetzt bringt mich diese Erinnerung zum Lächeln. Ich muss dazu sagen, dass ich tatsächlich darauf achte leise zu sprechen und immer etwas den Schalk durchblicken zulassen, wenn ich handle. Schließlich ist es ein Spiel, an dem beide Seiten Freude haben, wenn man es leicht und nicht zu ernst nimmt. Wichtig ist, dass mich  Indien natürlich nicht in eine vollkommen ausgeglichene, ruhige Person transformiert hat. Soviel meditiert und Yoga praktiziert habe ich sicherlich nicht. Allerdings wird man etwas sensitiver bezüglich solcher Eigenschaften oder Verhaltensmuster. Spannend.
In dem verschlafenen, dennoch quirligen McLeod Ganj kann man natürlich mehr unternehmen, als sich in Geschäften herumtreiben. Es gibt ein paar Yogakurse, Einrichtungen der Tibeter im Exil und einige schöne Wanderungen, um eine Auswahl zu nennen. An meinem zweiten Tag habe ich ein paar Traveller kennengelernt, die Freiwilligenarbeit leisten. Die meisten geben/assistieren in Sprachkurse oder Einzelunterricht, Computerkurse oder gar Yoga-Unterricht. Das Alter der Freiwilligen beginnt bei Anfang 20 ohne oberes Ende. Jeder kann kommen und bieten, was er geben möchte. Das Zentrum, dass diesen Austausch organisiert heißt 'Lha'. Es ist eine Organisation/Ort der sozialen Arbeit mit indischen und tibetischen Teilnehmern. Auch hier ist die Altersklasse recht unbegrenzt, selbst zwölfjährige Schüler sind unter den Teilnehmenden.
Wenn ich nicht gerade mit diesen lieben Menschen durch die Straßen und Tempel von McLeod Ganj gezogen bin, habe ich mich auf die kleinen Wanderungen in umliegende oder höher gelegene Dörfer begeben. Die Natur in dieser Gegend erinnert an die Alpen, jedoch trifft man immer wieder auf in Baumwipfeln herum springende Affen und die kleinen, bunten, recht versteckten Hindi-Tempel am Wegesrand sind mir auch nie in den Alpen begegnet. Allerdings war ich nie in den schweizer oder französischen Alpen. :-)
So schön und harmonisch das klingt, gibt es natürlich auch hier wieder Gegensätze. Immer dieser Dualismus. Wenn man zum Tempel, der als Sitz des Dalai Lamas bezeichnet wird, geht, säumen ein paar Banner den Weg. Auf diesen Bannern sind Fotos bzw. Umrisse von Personen zu sehen, mit Feuer im Hintergrund. Darunter sind Daten verzeichnet. Dies sind Abbildungen von Tibetern, die sich selbst entflammt und somit umgebracht haben. 118 Menschen haben sich 2012 so suizidiert, da sie die Lebensumstände im besetzten Tibet nicht mehr ertrugen. Man sieht auch Poster mit Aufnahmen von im Lauf begriffenen Feuergestalten, immer wieder die Idylle der kleinen Bergstadt durchbrechend. Laut den Berichten im "Tibetan Museum" drohen den Tibetern da Folter, langjährige Haftstrafen, Arbeitslager und Schlimmeres, wenn sie zum Beispiel friedliche Demonstrationen abhalten. Es heißt, dass die Tibeter keinerlei Menschenrechte in Tibet haben. Ich war nicht dort und kann es nicht einschätzen. Allerdings habe ich im Museum einige Interviews gelesen und ein sehr anschauliches Video, dass auf mich einen authentischen Eindruck machte. Ich frage mich, was das für Zustände sind, unter denen ein Mensch leiden muss, sodass er sich zu solch einer drastischen Selbsttötung veranlasst fühlt. Unvollstellbar. Aufgrund dieser enormem Anzahl an Selbstmorden hat die tibetische Exilregierung in den Raum gestellt das tibetische Neujahrsfest, Losar genannt, nicht groß feierlich zu begehen.
Am Ende so ein Dämpfer habe ich das Bedürfnis mit etwas positivem zu schließen:
'Even when the sky is heavily overcast, the sun hasn't disappeared. It's still there on the other side of the clouds' aus 'The Power of Now' (Eckhart Tolle, 2001).

'If the internal enemy of hatred is not tamed,
When one tries to tame external enemies, they increase.
Therefore, it is practice of the wise to tame themselves
By means of the forces of love and compassion.'
Bodhisattva Tokmay Sangpo, in 'Widening The Circle Of Love' (His Holiness, the XIV. Dalai Lama, 1988).

Zug fahren in 2 AC Tier und Change of Plans

Samstag, 26.01.2013

Nachdem ich den notwendigen und zu gleich schweren Abschied von Arambol und liebgewonnenen Freunden genommen habe, ging es von Margao nach Delhi, weiter von New Delhi nach Haridwar und dann nach Rishikesh oder Dharamsala. So der Plan. Erstes kommt es anders und zweitens...  Große Teil dieser Strecken saß oder besser lag ich im Zug. Meine erste Zugfahrt in Indien und ich war aufgeregt und habe nicht mal drei Stunden in der Nacht zuvor geschlafen. Und das nicht nur weil wir Abschied gefeiert haben ;-)  . 

Nach einer 2 1/2 stündigen, holprigen Taxifahrt zum Bahnhof, musste ich zuerst herausfinden, ob ich wirklich von der Warteliste zu den richtigen Tickets gekommen bin. Dafür hängen Listen mit den Passagier-Daten an Tafeln aus. Altbewährtes Papier. Dann geht es ans Suchen. Das wusste ich natürlich nicht. Und die Damen und Herren der Auskunft wussten es bestimmt, nur konnten die wiederum kein Englisch. Irgendwie kann man es auch erschließen, wenn man ruhig bleibt. Wenn... Wenn man ausgeschlagen ist...Nachdem ich mir dann übermüdet keinen Reim aus den Listen machen konnte, habe eine Person gefragt, die herum stand und dann so freundlich war, mir zu erklären, wie ich meinen Platz auf der Liste und im Zug finde. Dann muss man noch herausfinden, in welchen Waggon man einsteigen muss, dafür gibt es eine elektronische Anzeige, die auch leicht zu verstehen ist, wenn man ausgeschlafen ist und ruhig bleibt. Wenn.... Auch da waren Passanten über aus hilfsbereit. Mit dem Wissen, dass mein Platz Nr. 4 im Waggon Nr. 5 war, ging es auf zum Gleis. Neben den anderen Wartenden befanden sich Obdachlose und bettelnde Frauen und Kinder auf dem Gleis. In Goa habe ich mir in diesem Zusammenhang angewöhnt etwas zu Essen mit mir zu führen. Sodass ich die Möglichkeit habe, wenn ich kein Geld geben möchte oder kann, wenigstens so etwas zu geben. Der Punkt ist, dass die Kinder häufig nur mit einem zerfetzten T-Shirt und sonst nichts bekleidet sind und mit der Hand zum Mund gestikulieren, dass sie hungrig sind oder Geld für Essen brauchen. Jedenfalls denke ich, dass es das bedeutet. Viele der bettelnden Frauen gehen mit kleinen Kindern oder gar Säuglingen im Arm umher, was besonderes rührend ist. Leider weiß ich nicht für was das Geld letztendlich verwendet wird. Es gibt durchaus Kinderbettelbanden, die das erbettelte Geld an einen Erwachsenen abliefern müssen und nichts davon haben. Wenn man dennoch Geld gibt, holen sie manchmal noch 2 ihrer kleinen Freunde, die dann auch noch den einen oder anderen Rupie haben wollen. Das kann zu viel Trubel führen. Begeistert sind die Bettelnden von Gemüse oder Nüssen nicht gerade. Ein kleines Kind kam am Bahnhof auf mich zu und ich gab ihm eine riesen große Möhre. Es schaute mich verdutzt an, ging zu der Gruppe Frauen von derer es kam, die daraufhin in Gelächter und Geschnatter ausbrachen. Ich nahm es spaßig und immer hin ließen sie mich in Frieden. Letztendlich liegt es im eigenen Ermessen, ob und wieviel man gibt. Mir fällt es besonders bei kleinen Kindern und jungen Müttern schwer 'nein' zu sagen. Ich bin an dieser Stelle für Ratschläge und Tipps offen. Falls ihr Ideen habt, nur her damit!
Während ich auf dem Bahnsteig auf den einfahrenden Zug wartete, kam ich ins Gespräch mit einem lieben, älteren Ehepaar aus Delhi. Sheila und ihr Mann Harish (wahrscheinlich nicht ganz korrekt, da ich seinen Namen leider nicht genau erinnere) sind bereits 1989/90 in Deutschland auf Reisen gewesen, waren in Dresden und Potsdam. . Hier fuhren sie erste Klasse und luden mich ein, während der Fahrt bei ihnen vorbei zu schauen.
Zurück zum Zug. Einmal an Board war es am Ende erstaunlich einfach. Man findet seinen Platz und dann kommt irgendwann der Schaffner und man zahlt nochmal 200 Rupien. Ich habe allerdings 2AC Tier, eine gehobene Klasse, im schnellsten Zug Indiens gebucht. Das hat mir wahrscheinlich etwas Luxus und Zeitersparnis beschert. Es ist der Rajdhani Express, der zwischen Trivandrum (Thiruvananthapuram) im Süden Keralas und Delhi, Nizamuddin Station, verkehrt. Am Ende ist der Zug irgendetwas zwischen 2000 und 3000 km unterwegs. Ich kann nicht sagen, wie schnell die maximale Geschwindigkeit ist. Maximal 120km/h manchmal nur 60km/h. Die Strecke von Margao nach Delhi beträgt ungefähr 1500 km und man ist 26 Stunden mit nur wenigen Stops unterwegs. Und nun ein kleiner Hinweis an die deutsche Bahn: trotz der enorm langen Strecke hat dieser Zug weniger als 10 min Verspätung. Allerdings kann das auch an den wenigen Stops liegen und daran, dass der Zug oberste Priorität vor allen anderen Zügen hat. Schließlich fahren auch viele Regierungsbeamte und Führungspersonen des Militärs damit.
Es befinden sich in jedem Abteil auf einer Seite vier Betten senkrecht zum Gang, jeweils zwei übereinander, und zwei über einander aber parallel zum Gang. Es sind leicht gepolsterte Matratzen und man bekommt Lacken, Kissen und Wolldecke. Das ist in der Holzklasse wahrscheinlich nicht so. Man bekommt sein Essen ans Bett geliefert. Die Mahlzeiten sind denen im Flugzeug ähnlich, ich finde sie jedoch besser. Man wählt vegetarian oder non-vegetarian und bekommt dann Reis, Dal und irgendein Curry mit Gemüse/Fleisch, ein kleines Dessert und geschnittene Gemüse Scheiben. Danach gibt es Tee mit eigener Tasse und Thermoskanne. Ich fand es unheimlich luxuriös. Neben den Mahlzeiten muss ich euch gestehen, habe ich die meiste Zeit geschlafen. Ich hatte ein Bett oben, was ungestört war. Meine Mitreisenden haben nicht ein Wort mit mir gewechselt, sondern nur verstohlen hier und da Blicke gewagt. Die drei Männer fühlten sich vielleicht nicht wohl mit einer Europäerin, die mehr als18 Stunden am Tag schlafen kann :-) Nachdem am nächsten Morgen der freundliche Service-Arbeiter mit einem festen Schlag auf meine Matratze den morgendlichen 6-Uhr-Tee ankündigte, war ich endlich ausgeschlafen. Vielleicht war es das Aufstehen um 5:45 Uhr und anschließende 4 Stunden Yoga, dass mich zum Winterschlaf animiert hat.
Nach dem Aufstehen machte ich mich auf den Weg zu Sheila und Harish, um ein paar Tipps für Delhi einzuholen. Erste Klasse macht einen kleinen Unterschied: man hat seinen eigenen kleinen Beistelltisch für Essen und ständig kommt jemand vorbei und bietet Essen,Trinken oder sonst irgendetwas an. Sheila hat früher im Management eines Schweizer Pharma-Unternehmens in Indien gearbeitet. Harish hat für das Unternehmen, das den TGV entwickelt und produziert hat gearbeitet. Jedoch hat er irgendetwas mit Bootsturbinen gearbeitet. Sie sprechen beide gutes Englisch. Man musste nur sehr laut sprechen, da Harish ein Hörgerät benötigt. Es ist so spannend und interessant, was manche Inder über ihr Land berichten. Sheila zum Beispiel meinte, dass Indien in einem großen Schlamassel steckt, da die Politiker sich mehr mit Korruption als mit der Politik beschäftigten. Daneben ist auch das Müll-Problem, die Armut, das Bildungsproblem nicht zu vergessen. Beispielsweise hat Indien an keiner der internationalen Bildungsvergleichs-Panelstudien teilgenommen. Es gibt jedoch Zahlen aus eigenen Panelstudien der indischen Regierung. Jedoch sind die Ergebnisse schockierend. Vor allem in einfacher Mathematik und flüssigem Lesen finden sich anstelle von Lücken tiefe Schluchten. Da ist nicht an internationalen Standard zu denken. Vom Geschlechterunterschied ist dabei noch nicht einmal die Rede. Ein Problem ist dabei der Zugang zu guten Schulen in ländlichen Gebieten und die Qualifizierung der Lehrer. Wir hatten ein sehr anreicherndes Gespräch. Am Ende haben die beiden mir zu ein paar Informationen über meine Weiterreise verholfen, aufgrund derer ich einen Nachtbus direkt von Delhi nach Dharamsala nahm. Weiterhin haben sie mir angeboten mir einen zuverlässigen Fahrer zu besorgen, sollte ich mich doch für ein paar Tage in Delhi entscheiden. Wieder einmal trifft man so hilfsbereite, liebe Menschen, sodass man ihnen fast nicht glauben kann, wenn sie selbst warnen, nicht  leicht gläubig gegenüber Fremden zu sein.
Am Ende der Zugfahrt kam das Service-Personal herum und wollte Trinkgeld. Das wusste ich in diesem Moment natürlich nicht, da sie nur da standen und mich anstarrten. Ich hielt ihnen 10 Rupien hin, die sie jedoch nicht ergriffen. Da ich nie weiß, wann es angebracht ist und was angemessen ist, fragte ich meine Sitznachbarn. Die zwei Männer, die in 26 Stunden nicht ein Wort mit mir gewechselt hatten, schauten sich an, wechselten kurz ein paar Worte in Hindi und lachten. Ich kam mir verarscht vor. Nachdem ich nochmals nachfragte, antwortete einer, dass sie vielleicht hundert Rupien akzeptieren würden. In mir regte sich Unmut, erst lachen, dann nichts sagen und nun 100 Rupien. Am Ende habe ich diese Summe gegeben, nicht ohne in leisem Grummeln eine Beschwerde zu machen, wie unhöflich es ist einen zu veräppeln. Wahrscheinlich lagen die zwei Männer richtig, aber die Art und Weise, wie kommuniziert wurde, erregte meinen Groll. Es ist die Einstellung, dass Frauen nicht ernst zunehmen sind, die sich immer wieder einschleicht. Sheila meinte, dass dies kulturhistorisch mit der Mogulherrschaft verbunden ist. Der Islam habe den Norden Indiens auch in seinem Frauenbild geprägt. Dabei gibt es auch moderne Inder und Inderinnen, die weder abgesprochenene Ehen eingehen oder verheiratet sind noch ihrer Frauen hinter den Vorhängen des eigenen Hauses verstecken. Dieses Land ist einfach zu groß und beherbergt wahrscheinlich so ziemlich jedes Extrem.
Vom Bahnhof zum Busbahnhof zu kommen, war nicht schwer, sofern man zielstrebig auf den Prepaid-Taxi-Stand hinsteuert und sich nicht beirren lässt. Auch wenn der Taxifahrer keine Ahnung hatte, wo der I.S.B.T in Delhi ist, fanden wir ihn nach ein paar Zwischenstopps. Schließlich war es vielleicht auch mein Fehler, da ich den Berater des Fahrers aus dem Taxi befördert habe. Ich dachte, es wäre nicht üblich mit zwei Männern allein in einem Taxi zu sitzen und beharrte darauf, dass der Nicht-Fahrer aussteigt. Im Busbahnhof war ich dann etwas negativ überrascht, da ich den Schalter für meinen Bus nicht finden konnte und die anderen Schalter meinten, dass es keine Busse nach Dharamsala gibt. Wieder beharrlich bleiben, nicht verzweifeln. Am Ende fand ich wieder dank hilfsbereiter Inder den Schalter. Das Problem war, dass der Busbahnhof seit 2 Jahren eine riesige Baustelle ist. Nachdem ich das Ticket für einen staatlichen  deluxe  - auch wenn als deluxe bezeichnet, zweifelte ich etwas an der Starke dieses Attributes- Nachtbus in meinen Händen hielt trennten mich nur noch 8 Stunden Wartezeit ohne Warteraum und Café. Mc Donalds war dann meine Notunterkunft. Ich bin nicht stolz darauf, aber spannend sind die kulturellen Unterschiede an diesen Nicht-Plätzen dennoch.
Am Busbahnhof machte ich dann wieder eine freundliche Bekanntschaft, mit einem Offizier der indischen Armee. Vasu dient mit 24 Jahren in der Armee und hat sich auf Lebenszeit verpflichtet. Stationiert ist er im Moment im Himalaya, ist aber schon ziemlich überall gewesen. Kaschmir, Ladakh, die Ostindischen Provinzen und viele Orte mehr. Ziemlich harter Job, wenn ihr mich fragt, denn hier knallt es tatsächlich häufiger als man glaubt und mitbekommt. Äußerst interessant so ein Gespräch mit einem Insider.
Die Busfahrt war am Ende nicht ganz so deluxe, eben ein dehnbarer Begriff. Dennoch war da eine sehr liebenswerte junge Mutter und ihr sieben Monate altes Baby, mit denen ich eine Sitzreihe die Hälfte der Strecke teilen konnte. Wenig Schlaf, aber freundliche Gesellschaft. Ballouria wohnt eigentlich in Dänemark, wo ihr Mann arbeitet. Im Moment wartet sie auf das Visum für die Kleine, jedoch mahlen die indischen Bürokratie-Mühlen langsamer als eine Schildkröte in Zeitlupe läuft.
Nun bin ich aber heil nach 48 Stunden Reise und sehr wenig Schlaf in Dharamsala oder besser McLeod Ganj angekommen. Mehr über diesen himmlischen Ort lest ihr demnächst.

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